Anthologien · Kurzgeschichten

Das Urlaubslesebuch 2020 – Hersg. Karoline Adler

Das dtv Urlaubslesebuch, Herausgegeben von Karoline Adler, ist mittlerweile schon Tradition und ich freue mich jedes Jahr darauf. Auch diesmal ist wieder eine feine Mischung gelungen. Es ist zum Teil ein Treffen mit alten Freunden, wie Ingvar Ambjörnsen, der mit Der Kirschbaum eine feine Geschichte über Verletzlichkeit und wie trügerisch unsere Wahrnehmung sein kann, beigesteuert hat und T. C. Boyle, der sich in der Geschichte 62 Gedanken macht, wie die Fragen vor der 62ten lauten müssten. Besonders allerdings hat mich gefreut eine Autorin zu entdecken, von der ich noch nichts gelesen hatte. Aus dem einfachen Grunde, weil Magdalene Thoresen a.) schon einige Zeit tot ist und b.) es bis auf der Geschichte In Hardanger nichts auf Deutsch gibt. Zum Glück aber, gibt es so umtriebige Übersetzer!nnen, wie Gabriele Haefs, die immer wieder Autor!nnen aufstöbern, deren Texte von zeitloser Schönheit sind.

Fazit: Ein feines Buch.

Hier schreibt die Übersetzerin zu Magdalene Thoresen:

Neuanschaffungen · Uncategorized

Ins Haus geschneit

Jedes Jahr zum Sommer geben Karoline Adler und der dtv Verlag das Urlaubslesebuch heraus. Und jedes Jahr freue ich mich sehr darauf. Diesmal bin ich noch erfreuter als sonst, weil einer meiner absoluten Lieblingsautoren eine Geschichte beigesteuert hat. Ingvar Ambjørnsen.

Klappentext:

Im Sommer sind die Tage wieder länger: Mehr Zeit zum Lesen!

Ein Buch allein macht zwar noch keinen Sommer – aber es macht ihn schöner, interessanter und abwechslungsreicher. Es ist ein attraktiver Reisebegleiter, verkürzt die Wartezeiten am Flughafen, bietet unterhaltsame Strandlektüre, passt in jeden Bergrucksack und lässt uns im Freibad oder auf dem heimischen Balkon von fernen Ländern träumen.

https://www.dtv.de/buch/karoline-adler-urlaubslesebuch-2020-21922/

Der Hund, der zum Bankräuber wurde und mehr irische Geschichten von Mick Fitzgerald erschien bereits 2016 im Songdog Verlag und ich habe es auch damals gelesen. Allerdings ist es eines der Bücher, die man verleiht und nie wieder bekommt, weil der oder die Leiher!n sich nicht wieder zu trennen vermag, sie bin ich froh, dass es nun wieder bei mir gelandet ist, denn der 16.5.2020 ist der vierte Todestag von Mick Fitzgerald und eine gute Gelegenheit sich seine Geschichten noch einmal vorzunehmen.

http://www.songdog.ch/buch-detail/der-hund-der-zum-bankr%C3%A4uber-wurde.html

Krimi · Roman

Altlasten von Sara Paretsky – Übersetzerinnen: Laudan & Szelinski

Alles beginnt mit dem verschwundenen Trainer und Filmemacher August Veriden, der des Einbruchs verdächtigt wird. Zwei seiner Freundinnen aktivieren V. I. Warschawski, ihn zu finden. Die beginnt mit der Suche und entdeckt, dass auch in August Veridens Wohnung eingebrochen wurde und erfährt, dass er mit der Afro-merikanischen Schauspielerin Emerald Ferring nach Lawrence/Kansas unterwegs ist. Angeblich um einen Film über ihr Leben zu drehen. Also macht Warshawski sich mit Hündin Peppy auf den Weg in die Kleinstadt, die nicht so idyllisch ist wie es scheint. Es ist wie bei einen Gewebe, aus dem ein loser Faden vorsteht. Der lose Faden in diesem Fall sind die beiden verschwundenen Personen und je mehr V. I. Warschawski, an diesem Faden zieht, je mehr löst sich die Decke auf, unter all die Schmutzwäsche von Lawrence jahrzehntelang verborgen war. Natürlich sind nicht alle begeistert von der Fadenzieherin, die sich nicht scheut, tief im Mist zu wühlen. Sehr schnell hat Warshawski sehr viel mehr zu tun, als die verschwundenen Personen zu finden, von denen bald klar ist, dass der Film über Emerald Ferrings Leben, sicher nicht der Grund war, warum sie sich auf den Weg gemacht haben.

Ich kenne keine andere Autorin, die es schafft, Themen wie besorgte Bürger, Verbrechen des Militärs und der Wissenschaft, Rassentrennung, Biokampfstoffe und sowie persönliche Animositäten in einem Buch zu verarbeiten und dabei das Gleichgewicht hält, ohne an irgendeiner Stelle zu überfrachten. Getragen wird die Geschichte von den Charakteren und zwar von allen auftretenden, nicht nur von den Protagonist!nnen. Ein sehr heutiges Buch und auch ein Stück Zeitgeschichte der letzten 30 Jahre.

Fazit: Einfach toll!

https://www.genialokal.de/Produkt/Sara-Paretsky/Altlasten_lid_42200019.html?storeID=zapata

Lyrik · Uncategorized

Fluchtzustand von Agnieszka Lessmann

Dank dieser modernen Technik von der alle reden, ist es uns möglich, die Autorin im Vorwege selbst zu Wort kommen zu lassen:

Flucht, Emigration, Asyl und Heimat, sind nicht nur heute ein Thema, sondern sind es immer gewesen. Auch wenn die meisten Texte von Agnieszka Lessmann sich mit den aktuellen Fluchtzuständen befassen, so macht sie wirft sie auch einen Blick zurück auf vergangene Fluchten und deren Ursachen. Sie versteht sich wunderbar auf die leisen Töne und gerade diese machen ihre Texte besonders eindringlich.

Aufgewachsen ist die Autorin in Deutschland, Polen und Israel und in diese Orte, die sich gar nicht so unähnlich sind, nimmt sie uns mit. Überall finden sich die gleichen Versuche, in der Zerrissenheit, in der Unsicherheit, für kurze Zeit ein zu Hause zu finden.

Es mag merkwürdig klingen, aber gerade die Qualität und Tiefe der Texte macht es mir unmöglich mehr darüber zu schreiben. Ich kann nur empfehlen selber zu lesen und einzutauchen.

Mehr Infos zur Autorin finden sich hier:

https://www.agnieszkalessmann.de/

Roman

Straumēni von Edvarts Virtza – Übersetzer: Berthold Forssman

Das von Edvarts Virza 1933 geschriebene und nun von Berthold Forssman aus dem Lettischen übersetzte und mit einem Nachwort versehene Straumēni, ist mit Sicherheits eines der meditativsten und sinnlichsten Bücher, die ich jemals gelesen haben. Straumēni, ein fiktiver Hof um die Jahrhundertwenden im lettischen Zemgale, ist der Schauplatz und der eigentliche Protagonst dieses Prosapoems. Es ist eine Reise durch das Jahr und die jeweils in den Jahreszeiten anfallenden Aufgaben. Ein jeder und eine jede der Bewohner!nnen hat und kennt die jeweilige Aufgabe. Sei es bei der Aussaat, beim Schlachten oder bei der Ernte.

Beim Lesen wird man förmlich in diese ländliche Welt, die es so nicht mehr gibt, hineingezogen. Der Rhytmus der Sprache, die Liebe zu diesem Leben und die Wehmut darüber, dass es nicht mehr so ist und nie wieder so sein wird, schwingt in jedem Satz mit und entfaltet eine Welt, die so nah an den Leser, die Leserin kommt, dass man die Bienen summen und das Heu nahezu riechen kann. Wenn man sich einlässt, geht man auf eine Zeitreise und entdeckt eine besondere Welt, in der der einzelne Mensch einerseits eine untergeordnete und gleichzeitig eine extrem wichtige Rolle spielt. Ein jeder hat seinen Platz, bei der Arbeit genau so wie beim Feiern.

Der Übersetzer Berthold Forssmann hat den Text mit einem Nachwort versehen und erklärt Ortsnamen und Begriffe. Fazit: Ein ganz besonderes Leseerlebnis

Lyrik

Gedichte Thien Tran – Hrsg. Ron Winkler

Die Gedichte, des am 16. Dezember 2010 verstorbenen Schriftstellers Thien Tran, wurden nun von Ronwinkler herausgegeben. Erschienen ist dieses sehr fein aufgemachte Buch im Elif Verlag (ISBN 978-3-946989-24-0 – 20,00 €).

Erst einmal, ist es eine Freude das das Werk dieses Autors erhalten geblieben ist und nun, wenn auch nicht mehr zu seinen Lebzeiten, einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Diese Gedichte haben mich auf sehr merkwürdige Weise berührt. Sie zu lesen war wie das Spazierengehen in einem fremden Geist. Sujets die mir erst nichts sagen, erlangten auf einmal eine erstaunliche Wichtigkeit und Präsenz. Bei manchen Gedichten, las ich zwei Zeilen und dachte: Hmm, sagt mir gar nichts, um dann von der nächsten Zeile, wie von einem Hammerschlag getroffen zu werden und zu der Gewissheit zu gelangen, eine profunde Erkenntnis, ein Verstehen, über alles Trennende hinweg erreicht zu haben.

Das einzige Manko, meiner Meinung nach, an dieser Ausgabe, ist das Vorwort. Es wäre mir lieber gewesen, Ron Winkler hätte es als Nachwort verfasst, es nimmt zuviel vorweg, wie die Gedichte wahrgenommen werden sollten.

Magazin

Anachronia – Geist gegen Zeit 16

Immer einmal wieder erhalte ich eine Ausgabe des Magazins Anachronia, und immer freue ich mich sehr darüber. Denn dieses kleine, feine, gewaltige Magazin ist in der Regel ein Schatzkästleich. Auch diesmal hat die Herausgeberin Eve-Marie Kallen feine Autor!nnen und Beiträge in der 16. Ausgabe versammelt. Wo sonst kann man über Joseph von Lauff, dem Hofdramturgen Wilhelm II lesen. Mit dessen Werk hat sich Gabriele Haefs ausführlich beschäftigt und schreibt humorvoll und kundig, über den preußischen Offizier, den es an den geliebten Niederrhein zu den von ihm ungeliebten Niederrheinern verschlagen hatte.

Eine besondere Freude war es mir in dieser Ausgabe die Geschichte „Das Leben, gemessen in Hundejahren“ von Levi Henriksen zu finden, die von Gabriele Haefs übersetzt wurde. Levi Henriksen gehört zu meinen Lieblingsautoren und sollte in diesen unserm Landen weit mehr Anerkennung finden. Er malt die wundervollsten Gefühlsbilder. Er ist einer von denen, die eine wirklich originelle Liebesgeschichte schreiben können, ohne ins Profane oder noch schlimmer ins Kitschige abzurutschen.

Auch den Beitrag des erimitierten Germanistikprofessors, Forschers und Autors auf dem Gebiet der Intermedialität des Fantastischen, Hans Richard Brittnacher, habe ich mit Freude gelesen. Wer könnte schon einem Artikel mit dem Titel: Der tolldrastische Balkan. Diebe, Vagabunden und Zigeuner in Emir Kusturicas Filmen widerstehen?

http://www.anachronia.eu/ausgaben.php?lang=deut

Gedichte · Musik

Gastrezension von Viktor Braun zu: A passion for John Donne von Ketil Bjørnstad

Heute mal ein wenig ungewöhnlich. Normalerweise soll es hier um Bücher, um Literatur im weitesten Sinne gehten. In letztere Kategorie passt die CD A passion for John Donne von Ketil Bjørnstad, geschrieben von Viktor Braun.

Wenn man so einen CD- Titel liest, denkt man fast automatisch an mittelalterliche  Folkusik mit traditionellen Instrumenten, vielleicht auch noch an modernere Liedermacher, die Gedichte dieses Zeitgenossen von Shakespeare zu Liedern/Songs verarbeitet haben.  

Nicht so bei Ketil Bjørnstad. Diese CD ist ein Werk, das zwar durchaus auch Anklänge an mittelalterliche Musik aufweist, aber weit darüber hinaus geht und auch opulente Kompositionen enthält sowie Raum für Solisten und Chor. 

John Donnes Gedichte stehen dabei nicht so offensichtlich im Vordergrund, wie es bei Liedermachern wäre, die Texte sind, teils gesungen vom Oslo Chamber Choir, nicht wirklich zu verstehen, aber die Stimmung der Gedichte kommt über die geniale Musik doch gut rüber. Wer die Worte haben will, kann sie auch im Booklet nachlesen. 

Weitere beteiligte Musiker sind natürlich Ketil Bjørnstad am Piano, sowie Håkon Kornstad mit Tenor Saxophon, Flöte, oder Stimme und Birger Mistereggen mit Perkussion. 

Leiter des Chors ist  Håkon Daniel Nystedt. 

Eine CD, die Lust macht, sich mal mit Jahn Donnes Gedichten zu beschäftigen. 

vizero 

Lyrik

Auf der Suche nach Poesie von Hermann Borgerding

Nur mal kurz reingucken wollte ich in den neuen Borgerding. Drei Stunden später hatte ich das Büchlein durch und legte es mit einem herzlichen: Mist, dass es nicht länger ist! zur Seite.

Hermann Borgerding Leben ist kein Ponyhof, vor 12 Jahren bekam er Mundhöhlenkrebs und überlebte, lebt immer noch, entgegen der Prognosen, er lernte die Frau seines Lebens kennen und lebt mit ihr, zwei Hunden und der demenzkranken Schwiegermutter nun im tiefsten Münsterland, einige Kilometer von der holländischen Grenze. Und genau von diesem Leben, handeln seine Texte. Eine Mischung aus heutigen, vergangenem und geplanten. Sie sind optimistisch, sie sind voller Musik und poetisch. Ich würde sagen, da hat einer geschrieben, der die Poesie jeden Tag findet und zwar nicht im ungewöhnlichen, sondern in dem was ihn umgibt.

Fazit Lesen! Alle sofort!

Kurzgeschichten

Handbuch des Erinnerns und Vergessen von Ragnar Helgi Ólaffson – aus dem Isländischen von Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer

Ragnar Helgi Ólafsson ist ein richtiges Multitalent, bildender Künslter, Musiker, Verleger und Schriftsteller und diese Vielseitigkeit merkt man den 13 Geschichten im Handbuch des Erinnerns und Vergessens an. In verschiedenen Formen behandelt er sein Thema aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Mal lässt er seinen Protagonisten einen Brief schreiben, in dem er über eine Beziehung reflektiert, mal ist es der Bericht eines Liegenschaftsbeamten oder eine Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Fantasievoll, philosophisch, skurill, berührend und vor allem unterhaltsam nimmt der Autor den Leser, die Leserin, in die verschiedenen Erinnerungen mit. Manches, wie etwa die Geschichte Das Wappenschild oder auch Der kürzeste Weg haben mich an den frühen Murakami erinnert und doch wieder nicht. Dieses Geschichten sind in ihrer Eigenartigkeit unvergleichlich und nicht so leicht zu vergessen.